Dienstag, 28. Juni 2016

Verhängnisvoller Handlauf

Ein Handlauf. Bis vor einigen Tagen wusste ich nicht was ein Handlauf sein sollte. Plötzlich stand ich vor einer Herausforderung: «Du steigst aus dem Bus aus, läufst rechts den Berg hinauf und beim Handlauf biegst du dann wieder rechts ab.» 

Mit diesen Worten wurde ich mit einem Handlauf konfrontiert. Auch aus dem Zusammenhang des Gesprächs war es mir nicht möglich herauszufinden, was ein Handlauf ist. Also, blieb mir nichts weiter übrig als zu fragen, um was es sich bei einem Handlauf handelt. Gian Reto hat mich nur belächelt:«Was? Du weisst nicht was ein Handlauf ist?» Nein, ganz ehrlich, bis dahin, wusste ich rein gar nichts mit diesem Begriff anzufangen. 

Nach einigen Erklärungen kam mir der Gedanke, dass es sich um ein Geländer handeln könnte. Der Duden beschreibt es so: «Substantiv, maskulin - den oberen Abschluss des Treppengeländers bildender Teil (in Form eines Rohrs, einer Stange oder dergleichen), an dem man sich mit der Hand festhalten kann». Bei der Suche nach Synonymen bin ich auf ein mir bekanntes Wort gestossen, ein Handlauf ist auch ein Geländer.

Montag, 6. Juni 2016

Romanisches Erlebnis

Samstagmorgen, es regnet in Strömen. Ich mache mich gerade zu Fuss auf den Weg zum Bahnhof in Lavin. Meine Reise heute geht weiter ins Tessin. Auf dem Dorfplatz in Lavin treffe ich eine ältere Frau. "Bun di", grüsse ich sie. Sie fängt sofort an, auf Romanisch zu plaudern. Nun muss ich mich outen. "Entschuldigen sie bitte, so gut kann ich noch nicht die Sprache sprechen", antworte ich ihr. Sie wechselt sofort ins Deutsche. Gleich komme ich mit ihr ins Gespräch. Plötzlich will Sie will wissen, ob ich in Lavin wohne, was ich hier mache, wo ich hin gehe. Ich fühle mich richtig überrumpelt. Am frühen Morgen, habe ich bisher im Engadin noch nie jemanden in Plauderlaune getroffen, geht es mir durch den Kopf. Ein spezielles Erlebnis, das mir im Gedächtnis bleiben wird.

Samstag, 28. Mai 2016

Biera Engiadinaisa

Tag der offenen Brauereitür in Martina - Biera Engiadinaisa. Ein Fest für Einheimische und Gäste. Neben einer Besichtigung des Sudhauses unter fachkundiger Betreuung des Braumeisters Andreas Merk, ist im unteren Stockwerk, dort, wo die Abfüllanlage steht, eine Festwirtschaft aufgebaut. 

Bier, ein für mich spannendes Getränk. Vor allem in diesem Jahr ist der Gerstensaft ein grosses Thema. Vor knapp einem Monat wurde im Bayerischen Ingolstadt das 500-jährige Jubiläum des ältesten Lebensmittelgesetzes der Welt gefeiert. 500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot. Was bedeutet das für das wohl für die Tschliner Bieridee? 

Der aktuelle Braumeister der Bieraria Engiadinaisa stammt aus dem Bayerischen Augsburg. Er hat sozusagen schon aufgrund seiner Wurzeln das traditionelle Brauen im Blut. Fünf Jahrhundert Bier mit seinen immer gleichen Bestandteilen: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, das klingt schon fast langweilig. Ist es aber ganz und gar nicht. Das Tschliner Bier ist keineswegs ein Standardgetränk, wie wir es von den grossen Bierkonzernen kennen. Im Gegenteil, im Tschliner Bier steckt Leidenschaft. 

Gekonnt wird mit den vier Zutaten gespielt und neue Geschmackserlebnisse entstehen. Die Braukunst in ihrer Kreativität wird vom Braumeister Andreas Merk gelebt. So hat er neben dem «normalen BE» auch ein «Craft-Beer» ins Sortiment gebracht. Das Engadin Pale Ale, ein IPA. Charakteristisch für das India Pale Ale ist die Harmonie zwischen Hopfenaroma, Bittere und Malzkörper. In den USA gilt das hopfenbetonte Bier als Flaggschiff in der Craft-Beer-Bewegung. 

Auch Früchte, Kräuter und Gewürze sind interessante Zutaten im Bier. Diese Art von Brauen hat ihre Tradition in Belgien, zum Beispiel beim Witbier. Im Brauprozess oder während der Lagerung werden weitere Zutaten hinzu gegeben. Andreas Merk nimmt für seine Kreation Koriander und Orangenschalen. Neben diesen Kreativbieren verkauft die Bierria Engiadaisa auch noch ein bernsteinfarbenes Bier, namens Ambra. Passend zur Jahreszeit werden weitere Spezialbiere gebraut.

Bier ist also nicht nur ein Getränk. Bier ist Leidenschaft. Bier ist Genuss und Bier ist Vielfalt. Gespannt erwarten wir die Spezialbiere und lassen uns von weiteren Geschmackserlebnissen der Bieraia Engiadinaisa überraschen.

«Be-ziehungs-weise»

Beziehungsweise. Ein Wort, das wir in unserem Alltag in der gesprochenen und geschriebenen Sprache oft verwenden. Doch was bedeutet es eigentlich? bzw./beziehungsweise «oder, oder vielmehr, genauer gesagt, besser gesagt, und im anderen Fall». Die A-Capella-Theatergruppe «Urstimmen» nimmt in ihrem aktuellen Stück die Bedeutung «beziehungsweise» genauer unter die Lupe. 

Das Stück wird in der Scheune des Biohofs der Familie Clalüna gezeigt. Dort, wo einst Stroh gelagert wurde, sitzen nun die Gäste auf Strohballen. Es duftet nach Heu und Stroh. Es geht los. Vier junge Künsterlinnern und Künstler kommen auf die Bühne. Gleich von Beginn an bin ich fasziniert, welch tolle Geräusche einzig mit dem Organ der Stimme möglich sind.

Die Urstimmen singen aber nicht nur. Vielmehr, sie zeigen geschickt Werke aus A-Capella und Schauspiel. In ihrem Programm «Beziehungsweise» zerlegen sie die verschiedenen menschlichen Beziehungen bis ins kleinste Detail. Ironisch, provokativ, sarkastisch, frei heraus und tiefsinnig werden die Themen Liebe und Beziehung singend und schauspielerisch durchleuchtet. Das Repertoire reicht vom Beziehungskiller, über aktuelle Befindlichkeiten bis hin zu Liebe. 

Mit Witz und Sinn, vergehen die knapp 90 Minuten wie im Fluge. Es wird gelacht, geklatscht und mitgesungen. «All you need is love» und «free hugs» werden den Gästen am Schluss noch mit auf den Weg gegeben. Ein tolles Stück! 

Allein und doch nicht einsam

Ustaria la Stalla, Ardez. Auf dem Hof angekommen, begrüsst mich ein freundlicher Herr, der auf einem Stuhl hinter einem Camping-Tisch sitzt. Schnell stelle ich fest, dass dieser für die Einlasskontrolle zuständig ist. Also, zeige ich ihm mein Ticket. 

Ich bin der erste Gast und alleine unterwegs, eine zusätzliche Challange für mich. Schnell komme ich mit dem netten Herrn, Hans Peter heisst er, ins Gespräch. Er ist der Geschäftsführer vom Verein «hoftheater.ch». Sein Sohn, Cyrill, arbeitet als technischer Leiter. Für mich ist es spannend, neue Menschen kennen zu lernen und auch einmal die Perspektive wechseln. 

Schnell sitze auch ich am Camping-Tisch und befestige einigen Gästen die Einlass-Bändel am Handgelenk. Eine Erfahrung, die ich, wenn ich nicht alleine unterwegs gewesen wäre, bestimmt nicht erlebt hätte. 

Hof-Theater

Momentan sind die vier jungen Künstlerinnen und Künstler mit dem Verein hoftheater.ch auf Tournee. Einen Auftritt hatten die vier im Engadin, genauer, auf dem Bio-Bauernhof, Ustaria la stalla, der Familie Clälüna in Ardez. Die Vorstellung beginnt um 20.00h. Vorher haben die Gäste noch die Möglichkeit ein Abendessen aus der Bauernküche zu geniessen. 

Wo bis kurzem noch Schafe überwinter haben, wurde nun ein Teil des Stalls zu einer Besenbeiz ausgebaut. Im Stall wird ein typisches Essen aus der Bauernküche serviert: gemischter Salat, Schweinsgulasch mit Hörnli und Gemüse und als Abschluss hausgemachter Kuchen mit Kaffee. 

Als ich davon gelesen habe, wusste ich sofort, da möchte ich hin. Eine innovative Idee die, so finde ich, auf jeden Fall unterstützt werden muss. Leider konnte ich niemanden meiner Kollegen überreden mitzukommen, deshalb machte ich mich alleine auf den Weg. Und, es hat sich gelohnt, es war ein toller Abend!


Sonntag, 22. Mai 2016

«Aua minerala»

Wassser, ganz viel Wasser. Die Schweiz ist mit ihren Tausenden von Quellen auch als Wasserschloss Europas bekannt; in Zahlen: fünf Prozent der Süsswasservorräte von Europa lagern in der Schweiz. Mehr als 20 Quellen entspringen rund um die Unterengadiner Gemeinde Scuol.

Und das sind nicht irgendwelche Quellen. Auf einer Strecke von knapp sechs Kilometern entspringen rund 20 hochwertig mineralisierte Wässer. Im Jahre 1369 wurden diese Quellen erstmals schriftlich erwähnt. Ein wahrer Natur-Schatz also. Dank des Wassers gelang es dem Bauerndorf Scuol bereits im 15. Jahrhundert einen weiteren Wirtschaftszweig aufzubauen, den Bädertourismus. Bald war die Region als «Badekönigin der Alpen» im In- und Ausland bekannt.Ein natürliches Element also, legte den Grundstein, damit sich die Bergregion im Laufe der Jahrhunderte zu einem innovativen und touristischem Zentrum entwickeln konnte.

Auch heute, knapp 650 Jahre später, sind die Mineralquellen noch allgegenwärtig. So können an sechs Dorfbrunnen verschiedene Mineralwasser degustiert und abgefüllt werden. Manch andere Quelle kann in einem sogenannten Trinkhäuschen oder im Eingangsbereich des Engadin Bad Scuol einfach probiert werden. Die natürlichen Mineralien stehen einfach zur Verfügung. Ein Luxus, der oftmals in unserer globalisierten Welt vergessen geht.